Logo Quartiersarbeit

SINN - Solidarisch / Inklusiv /
Nachhaltig / Nachbarschaftlich

Soziales, kulturelles und politisches Engagement im Stadtteil Vauban


SOCIAL TINY HOUSE

Tiny House – Mobiler Begegnungsraum für Freiburg-Vauban


Warum bauen wir einen mobilen Begegnungsort im Quartier?

Im Sozialraum Vauban meldeten bereits drei Initiativen bzw. Einrichtungen den Bedarf an einem flexiblen Raum für soziale Begegnungen. Aus dieser Not wurde bereits 2019 eine innovative Idee geboren – einen mobilen Raum mit hohen Ansprüchen an Qualität und Nachhaltigkeit gemeinsam mit zukünftigen Nutzer*innen zu planen und partizipativ im Stadtteil zu bauen. Nun befindet sich das Projekt mitten in der Entstehung – der Außenbau wird bald fertig sein. Die Umsetzung des Vorhabens erfolgt in einer Kooperation des Tiny-House-Experten der „Tiny Home Factory“, der lokalen P3 Werkstatt in der Oltmannstraße, die Geflüchtete vorqualifiziert und ausbildet sowie den Nutzerinitiativen.

Wer wird das Social Tiny-House in Vauban in der nahen Zukunft nutzen?

Eine dieser Initiativen ist der gemeinschaftliche, interkulturelle und inklusive Garten, der über keine eigenen Räume verfügt. Seine vielfältigen Angebote, die weit über das Gärtnern reichen, finden im Freien über das ganze Jahr statt. Neben den kulturellen und Bildungsangeboten ist das gemütliches Miteinander mit Kochen, Singen und Erzählen ein wichtiger Aspekt der Arbeit. Somit ist der Bedarf nach einem Raum im Winter, der direkt auf dem Gartengelände stehen würde, sehr groß.

Eine andere Initiative ist die Flüchtlingsinitiative Vauban / St. Georgen FIGEVA, die ebenso über keine eigenen Räume verfügt. Der Koordinator Manuel Rogers ist regelmäßig in der Landeserstaufnahmestelle vor Ort und bietet sowohl Beratung als auch psychologische Unterstützung an. Allerdings besteht in der Unterkunft selbst keine Möglichkeit sich zusätzlich mit Ehrenamtlichen zu treffen und dem Bedürfnis nach Gesprächen in Tandems oder kleinen Gruppen in einem geschützten und neutralen Raum nachzugehen.

Die dritte Einrichtung ist das Familienzentrum Kita Wiesengrün. Sie bietet neben dem Kita-Betrieb auch Beratung für Geflüchtete Familien mit Kindern an, die in der Unterkunft in der Merzhauserstraße wohnen, stärkt Kompetenz im Umgang mit dem Fluchttrauma sowie fördert Sprachkenntnisse. Die Räume des Familienzentrums sind bereits durch den Kitabetrieb stark ausgelastet, so dass seit Jahren der Bedarf nach Erweiterung besteht.

Für alle drei Initiativen gelten gleiche Schwierigkeiten, einen stationären Raum zu bekommen: die komplizierten Bau- und Flächennutzungsrechte verhindern den Anbau bzw. Bau eines stationären Raumes. Darüber hinaus wäre so ein Vorhaben zeit- und kostenintensiv, würde den Boden versiegeln und wäre nur an diesem Ort nutzbar.

Eine Lösung dieses Dilemmas besteht im Einsatz des mobilen Raumes, der gleichzeitig den höchsten Ansprüchen an Ökologie und Nachhaltigkeit sowie der Raumausstattung und Wohlfühlatmosphäre entspricht. Der mobile Raum kann von den drei Initiativen im viermonatlichen Wechsel sowie parallel genutzt werden. Dadurch wären die Ressourcen geteilt.

Was unterscheidet unser Tiny House von einem Container oder Bauwagen?

Die Gestaltung und die Bauprinzipien eines solchen Raumes sind an die mobilen Wohnhäuser mit Wohlfühlatmosphäre und Raumkomfort angelehnt, die als Tiny-Houses bekannt sind. Im Unterschied zu einem Bauwagen sind solche Mini-Häuser als Architektur und nicht als Container wahrzunehmen, was sich auch in deren Bezeichnung widerspiegelt. So werden sie in der Regel aus Holz gebaut und bieten sowohl ästhetisch als auch raumpsychologisch einen qualitativen Unterschied zum Bauwagen bzw. Container: sie vermitteln Geborgenheit, riechen nach Wald und wirken entspannend auf Menschen, wie dies jedes Holzhaus auch tut. Sie können sehr individuell und kreativ gestaltet werden und jeden Ort dadurch optisch aufwerten anstatt zu verbilligen, wie dies die Container tun.

Die Mini-Häuser sind gedämmt, werden geheizt, können sowohl an Wasser und Strom angeschlossen werden als auch autark über Regenwasser und Photovoltaik versorgt werden.

Unser Mini-Haus hat folgende Maßen: Höhe 396 cm, Breite 255 cm und Länge 720 cm. Der Innenraum bietet Platz für Gruppen bis 12 Personen in der coronafreien Zeit und bis 4 Personen in Zeiten der Pandemie. Der Raum ist dank atmungsaktiven und ökologischen Materialien pilzresistent und verfügt über gute Luftkonvektion und Luftqualität. Zusätzlich werden Antivirus UV-Lampen zur Raumdesinfektion eingesetzt.

Der Rohbau besteht aus Massivholzbalken. Die Innenwandverkleidung ist aus dem regionalen Fichtenholz. Für die Außenfassade wird kanadische Zeder verwendet. Für die Dämmung im Gesamten Bauteil wird 100% Schafschurwolle verwendet, welche beeindruckende technische Eigenschaften aufweist. Sie kann 30% Feuchtigkeit ihres Eigengewichts aufnehmen, speichern und wieder abgeben.

Wo gibt es bereits mobile Begegnungsräume in der Art eines Tiny-House?

Die Idee eines mobilen Begegnungsraumes für Quartiere ist innovativ und wurde noch nicht auf der Quartiersebene realisiert. Somit gibt es keine direkten Beispiele für dieses Projekt.

Eine Alternative zur Wohnnutzung erkannten bis jetzt nur die Wald-Kitas, die bereits mehrere solche Häuser in Gebrauch haben. Der Vorteil, die mobile Mini-Holzhäuser mit sich bringen, liegen für Wald-Kitas auf der Hand. Sie bieten Schutz bei Regen und Schlafplatz für kleine Kinder sowie Stauraum fürs Kita-Inventar. Gleichzeitig kann die Außennutzung aktiv mit einer Sitzmöglichkeit, einer Feuerstelle und naturpädagogischen Anlagen gestaltet werden.

Der Einsatz der mobilen Mini-Häuser in der Arbeit mit Geflüchteten erfolgt im Rahmen des KUNA Projektes in Heidelberg. Bereits 2018 wurde im Rahmen des Projektes die Anfertigung von Tiny-Houses als integrative Maßnahme erprobt. Das Vorhaben war so erfolgreich, dass daraufhin eine Tiny-House Manufaktur mit Geflüchteten gegründet wurde. Die Tiny-Houses werden nach Bestellung angefertigt, drei der Häuser werden als Schau-Räume und als Relax-Räume für Geflüchtete genutzt. Das Projekt unterstreicht die kommunikative Rolle des Tiny-Houses: Menschen, die ansonsten wenige Berührungspunkte miteinander haben, kommen dadurch in Kontakt und ins Gespräch.

Tiny-House Projekte im urbanen Raum fanden Unterstützer*innen in Berlin: so ist in eine Tiny-House Siedlung auf einer Brachfläche in der Näher des Weißensees entstanden. Mit dem Eigentümer des Grundstücks haben die Initiatoren eine mietfreie Zwischennutzung vereinbart. So haben alle etwas davon: den Tiny-House-Bewohnern steht eine kostenlose Fläche zum Leben und für die kreative Nutzung zur Verfügung. Im Gegenzug sorgen sie im Sinne des Inhabers dafür, dass sich keine unbefugten Personen Zutritt auf das Grundstück verschaffen.

Im Frühling 2019 stellte die ebenso in Berlin gegründete Tiny Foundation sechs Tiny Houses auf dem Parkplatz von Ikea in Lichtenberg auf. Das „Tiny House Ville“ stand dort zwar nur für einen Monat und diente zunächst den Besuchern als Denkanstoß, um in Zukunft aus dieser Idee alternative und gemeinschaftliche Wohnkonzepte insbesondere für Baulücken und Brachflächen zu entwickeln. Zwar spielt bei diesem Konzept das gemeinschaftliche und das nachbarschaftliche Leben eine große Rolle, jedoch wird die Nutzung des Tiny Houses in diesem Fall auf das Wohnen begrenzt.

Ein Tiny-House als Begegnungsraum, Interaktionsraum und Raum für soziale Projekte in Ballungszentren zu nutzen ist dagegen absolut innovativ. Ebenso neuartig ist der quartiersbezogene Bau und Nutzung des Tiny-Houses im Rahmen der Gemeinwesenarbeit.

Warum dauert das Tiny House Projekt so lange?

Der offene Prozess des Projektdialoges spielt in der Projektentwicklung eine zentrale Rolle. Angefangen vom Kennenlernen und Abklopfen der Positionen wurde nach und nach das Vertrauen für die Zusammenarbeit aufgebaut. Dabei wurden verschiedene Vorstellungen zur Nutzungsoptionen durchgespielt, baurechtliche Anforderungen geklärt, der Konsens über Visionen sowie tragende Werte gefunden, soziale Normen der Raumnutzung hinterfragt sowie zukunftsorientierte Relevanz des Projektes durchdacht. Dieser Prozess erforderte viel Kommunikation und Engagement der Kooperationspartner*innen.

Worin besteht der Mehrwert des Projektes?

Das wäre nicht nur eine lokale Lösung für die akuten Bedürfnisse im Quartier Vauban, sondern auch ein Modell für andere Stadtteile und eine Vision für die Stadtplanung im Allgemeinen – würden Kommunen solche mobilen Räume mitdenken, wäre dies ein Gewinn für die Ballungszentren, denn die Nutzungsoptionen solcher Räume sind so vielfältig und die Flexibilität in der Einbringung an verschiedenen Orten so vielversprechend, dass die Idee eine zukunftsweisende Perspektive aufzeigt. Solche mobilen Räume könnten temporär sowohl in Baulücken als auch auf einem Parkplatz oder auf einer Grünfläche stehen, ohne sie zu versiegeln. Sie können jederzeit umgestellt werden und somit den akuten Bedürfnissen angepasst werden. Ihre Nutzungsmöglichkeiten begrenzen sich nicht auf den Innenraum, sondern werden auch auf die Umgebung erweitert. Sie stehen an der Schwelle zwischen Innen und Außen und entfalten dadurch eine kommunikative Dimension der Nutzung und Sichtbarkeit. Ein qualitativ gebautes Tiny-House hat eine Nutzungsdauer von über 100 Jahren und kann somit von sehr vielen Menschen genutzt werden.

Wer hat bereits das Projekt unterstützt?

Das Projekt fand die Unterstützung des Amtes für Senioren und Soziales Freiburg, der Franz Xaver und Emma-Seiler-Stiftung Freiburg, der Dieter- und Hannelore-Merkle-Stiftung Freiburg und der Flüchtlingsinitiative Vauban / St. Georgen.

Warum wir auf Ihre Unterstützung angewiesen sind?

Doch wie es mit neuen Ideen ist: bevor sie sich bewährt haben, wird eine Finanzierung schwierig. Es fehlen noch Mittel für den Innenausbau und den Workshops mit Bewohner*innen.

Unterstützen Sie das Projekt, wenn Sie neue Formen des Wirtschaftens wie Social Business und Sharing Ökonomie fördern möchten, sowie solche Werte wie Nachhaltigkeit und Gemeinwohl mit uns teilen. Lassen Sie uns gemeinsam den mobilen Begegnungsort fürs Quartier als eine Plattform für positive soziale Beziehungen bauen!

Wir bedanken uns von Herzen für Ihre Spenden:

Verwendungszweck: Tiny-House Kostenstelle 2364
Kontoinhaber: Diakonisches Werk Freiburg
IBAN: DE 70 680501010002020071
FRSPDE66XXX
Sparkasse Freiburg

Wie kann ich mehr über das Projekt erfahren?

Schauen Sie den Film zum Projekt vom Filmemacher Reinhold Prigge auf dem You Tube Kanal „Quartiersarbeit Vauban“ an.

Zögern Sie sich nicht bei Fragen die Quartiersarbeiterin Olena Lytvynenko zu kontaktieren: lytvynenko@diakonie-freiburg.de

Oder telefonisch sowie persönlich während der Sprechzeiten:
montags 15 – 17 Uhr / dienstags 10 – 12 Uhr
Nach Bedarf kann ein Termin live oder über online Plattformen vereinbart werden.